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Identiverse 2026: AI-Agenten dominieren – und brauchen eine solide Security-Basis

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Identiverse 2026: AI-Agenten dominieren – und brauchen eine solide Security-Basis

Es war wieder so weit: Für vier Tage ging es für mich nach Las Vegas zur Identiverse 2026. Denn wo sich mehr als 3.500 Experten treffen, um sich zu digitalen Identitäten und digitalem Vertrauen auszutauschen, darf unser Team nicht fehlen – um Inspirationen zu finden, Diskussionen mitzugestalten und vor allem Identity-Security-Trends aufzuspüren. Was mich nicht überrascht hat: AI war das bestimmende Thema.

Themenschwerpunkt AI

Ein globaler Treffpunkt für Themen rund um Identity Management, Cybersecurity, Privacy und Digital Trust – das ist die Identiverse. Als reine Vortragsveranstaltung ist sie nicht zu sehen, sondern als eine Plattform für Networking, Best-Practice-Austausch und neue Impulse aus der internationalen Identity-Community. Dieses Jahr war die Richtung dabei schnell abgesteckt: Alles sollte sich um AI drehen.

Ein zweischneidiges Schwert: Einerseits konnten viele Teilnehmer das Akronym bereits nach dem ersten Tag nicht mehr hören. Andererseits waren die Keynotes, Workshops und persönlichen Gespräche rund um Künstliche Intelligenz inspirierend, weil schnell deutlich wurde: Es geht nicht nur um ein weiteres Trendthema. AI verändert die Grundlagen, auf denen wir Identity and Access Management (IAM) bisher aufgebaut haben.

AI-Agenten bringen Wandel

IAM-Infrastrukturen wurden lange für Menschen gedacht. Für Mitarbeiter, Partner oder Kunden, die eine digitale Identität erhalten, einen Onboarding-Prozess durchlaufen, Rollen zugewiesen bekommen, Multi-Faktor-Authentifizierung nutzen und regelmäßig in Access Reviews überprüft werden. Diese Identitäten sind vergleichsweise stabil. Sie bestehen über Wochen, Monate oder Jahre. AI-Agenten hingegen funktionieren anders.

Sie entstehen kurzfristig, übernehmen eine konkrete Aufgabe, greifen auf Systeme oder Daten zu und verschwinden im Zweifel wenige Minuten später wieder. Ihre nächsten Schritte sind nicht immer vollständig vorhersehbar. Welche Ressource sie benötigen, welche Aktion sie ausführen und welcher Zugriff dafür notwendig ist, hängt stark vom jeweiligen Kontext ab.

An dieser Stelle geraten klassische IAM-Modelle an ihre natürlichen Grenzen. Manuelle Onboarding-Prozesse sind zu langsam, um der neuen Dynamik hinterherzukommen. Statische Rollenmodelle sind zu grob. Ein festes Rechtepaket funktioniert bei AI-Agenten, die aufgabenbezogen arbeiten, nicht mehr. Sie benötigen genau die Zugriffe, die für die konkrete Aufgabe situativ nötig sind. Regelmäßige Access Reviews – monatlich, quartalsweise oder halbjährlich – kommen zu spät, da Identitäten innerhalb von Sekunden entstehen, eine Aktion ausführen, um dann wieder zu verschwinden. Kontrollen müssen daher vor und während der Aktion greifen, nicht erst rückwirkend.

AI als hochdynamischer Auftragnehmer

Damit wird AI zu einem neuen Akteur im Bereich Identity Security. Dieser ist aber nicht mit einem Kollegen im klassischen Sinn gleichzusetzen. Unternehmen müssen AI-Agenten viel eher als einen externen, hochdynamischen Auftragnehmer behandeln, dem sie lediglich so viel Vertrauen geben, wie für eine konkrete Aufgabe notwendig ist. Das zieht folgende Sicherheitsmaßnahmen nach sich: kurzlebige Identitäten, feingranulare Berechtigungen, kontextabhängige Entscheidungen, transparente Protokollierung und Eingriffsmöglichkeiten zu jeder Zeit.

Governance müssen Verantwortliche im Rahmen eines modernen IAM also stärker automatisieren. Unternehmen brauchen Mechanismen, die Identitäten, Berechtigungen und Entscheidungen nicht nur verwalten, sondern in Echtzeit steuern können. Wer darf was? In welchem Kontext? Für welche Aufgabe? Für wie lange? Und wie lässt sich im Nachhinein belegen, was passiert ist?

Back to the roots: IAM-Bausteine weiterdenken

Die gute Nachricht: Viele Bausteine dafür existieren bereits. Standards und Architekturansätze rund um OAuth2, Federation, externe Autorisierung, AuthZEN, FAPI, SPIFFE oder auch neue Konzepte im Umfeld von AI-Agenten und MCP zeigen, wohin die Reise geht. Die Herausforderung liegt weniger darin, alles neu zu erfinden. Entscheidend ist vielmehr, bestehende Technologien richtig zusammenzubringen und konsequent anzuwenden. Daraus lassen sich konkrete To-dos ableiten:

#1 Mehr Transparenz über Identitäten schaffen Viele Köche verderben den Brei – zumindest, wenn jeder sein eigenes Ding macht. Ähnlich verhält es sich für Identitäten und Berechtigungen: Ohne IAM-Strategie lässt sich die Vielzahl an Akteuren – von Mitarbeitern, Partnern und Dienstleistern bis hin zu AI-Agenten, Non-Human Identities und Service Accounts – nicht mehr steuern. Stattdessen nimmt Komplexität zu und es mangelt an Überblick.

Im Mittelpunkt muss daher die Frage stehen, wer oder was Zugriff auf welche Systeme, Daten und Anwendungen hat. Für die Beantwortung reichen Einzellösungen aber längst nicht mehr aus. Gefragt sind Ansätze, die Identitätsinformationen bündeln, Risiken sichtbar machen und daraus konkrete Maßnahmen ableiten.

Auf der Identiverse trat dafür vermehrt das Konzept der Identity Visibility and Intelligence Platforms, kurz IVIP, auf die Bühne. Schließlich sorgt IVIP für einen stärker integrierten Blick auf Identitäten, Berechtigungen und Risiken über IAM-Silos hinweg. Somit gewinnen Unternehmen mehr Transparenz, die sie nutzen können, um konkrete Maßnahmen abzuleiten: überprivilegierte Konten erkennen, riskante Zugriffe priorisieren, veraltete Berechtigungen entziehen und Abweichungen gezielt korrigieren.

#2 Rollenmanagement nicht abschreiben, sondern modernisieren Rollenmodelle wie RBAC (Rollenbasierte Zugriffskontrolle) erklären einige Experten schon des Längeren für tot. Die Diskussionen auf der Identiverse haben hingegen verdeutlicht: Sie bleiben essenziell, da Rollen helfen, Berechtigungen nachvollziehbar und für Fachbereiche verständlich zu strukturieren. Wichtig ist jedoch, das Rollenmanagement weiterzuentwickeln und an aktuelle Anforderungen anzupassen. xBAC, also die Kombination verschiedener Modelle, gilt dabei als Zukunft:

  • RBAC bleibt als strukturierende Grundlage relevant.
  • ABAC (Attributbasierte Zugriffskontrolle) ergänzt die Zugriffsentscheidung um Attribute wie Standort, Abteilung, Gerät, Risikostufe oder Identitätstyp.
  • ReBAC (Beziehungsbasierte Kontrolle) schaut auf die Relation zwischen Subjekt und Objekt
  • PBAC (Policybasierte Zugriffskontrolle) steuert Zugriffe über Policies und Regeln, gerne unter Nutzung aller vorgenannten Elemente.

Damit lassen sich bisherige Schwachstellen wie einmalig erstellte, selten überprüfte oder unkontrolliert wachsende Rollen überwinden. Moderne IAM-Lösungen sollten Rollen somit nicht isoliert betrachten, sondern sie analysieren, optimieren, regelmäßig überprüfen und mit Attributen, Policies und kontextbasierten Entscheidungen kombinieren.

#3 Governance stärker automatisieren Die weniger bequeme Erkenntnis der Identiverse: Wer heute noch keine saubere API-Security, keine Strategie für Non-Human Identities und keine dynamische Autorisierung etabliert hat, wird es mit AI-Agenten schwer haben. Denn Agentic AI verstärkt bestehende Schwächen im IAM.

Governance muss daher näher an die eigentliche Zugriffsentscheidung rücken. Nachgelagerte Kontrollen reichen dafür nicht mehr aus. Zugriffe müssen stärker im Moment der Entscheidung gesteuert werden. Automatisierung hilft hierbei und kann Risiken erkennen, Zugriffe bewerten, Entscheidungen anhand definierter Regeln treffen, Berechtigungen zeitlich begrenzen, Ausnahmen dokumentieren und kritische Aktionen blockieren oder zur Freigabe eskalieren. Dafür ist eine klare Policy nötig, die regelt, wer was unter welchen Bedingungen darf.

Automatisierung verfolgt dabei nicht das Ziel, menschliche Kontrolle abzuschaffen. Menschen definieren Regeln, Verantwortlichkeiten und Leitplanken. Systeme wenden diese Regeln konsistent, schnell und nachvollziehbar an. Auf diese Weise lässt sich Governance operationalisieren und AI-Agenten zielführend steuern.

Fazit

Auf der Identiverse war schon immer ein Thema dominierend: Die Entwicklung von IAM. In diesem Jahr hat sich aber gezeigt, dass AI-Agenten hier zusätzlich Geschwindigkeit ins Spiel bringen. Unternehmen sind daher gefragt, ihre IAM-Infrastruktur zu beleuchten und wo nötig anzupassen. Das Ziel: AI-Readiness für vertrauensvolle digitale Identitäten – ob menschliche oder nicht-menschliche. Und ob wir wirklich noch am Konzept der „Konten“ festhalten sollten, hatte Moderator Andi Hindle bereits in Berlin auf der EIC in Frage gestellt

Sie möchten Ihr IAM modernisieren? Dann lassen Sie uns gemeinsam einen Blick auf Ist- und Sollzustand werfen!


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